(Januar 15, 2025) In dem ruhigen Dorf Melakattuvilai in Tamil Nadu wuchs ein kleiner Junge in einem Haus auf, das bis zur neunten Klasse keinen Strom hatte. Umgeben von weiten Feldern und einem einfachen Lebensstil ahnte er nicht, dass seine Träume eines Tages Indiens Reise zu den Sternen und zum Mond vorantreiben würden. Dieser Junge, V. Narayanan, übernahm am 14. Januar 2025 das Amt des Leiters der Indian Space Research Organisation (ISRO), um Indien in eine neue Ära der Weltraumforschung zu führen.
Der Luft- und Raumfahrtingenieur und Raketentechniker, der an der historischen Mondlandung von Chandrayaan-3 beteiligt war, ist entschlossen, Indiens Erfolge mit Chandrayaan-4 weiter auszubauen. Seine Mission ist klar: Er will Indiens Anteil am globalen Raumfahrtsektor von den gegenwärtigen zwei Prozent auf ehrgeizige zehn Prozent steigern.

V Narayanan
In einem Interview mit einer Tageszeitung bezeichnete er seine Ernennung zum neuen Minister für Raumfahrt und Vorsitzenden der ISRO sowohl als „große Verantwortung“ als auch als „großartige Chance, in die Fußstapfen der führenden Persönlichkeiten zu treten, die die ISRO über Jahrzehnte hinweg geleitet haben“.
Eine Vision zur Neudefinition der Rolle Indiens in der globalen Weltraumzukunft
Als neuer ISRO-Vorsitzender hat Narayanan eine kühne Vision für Indiens Raumfahrtprogramm. Er möchte die Zahl der Satelliten des Landes deutlich erhöhen und Indiens Startkapazitäten verbessern. Sein Ziel, Indiens Anteil am globalen Raumfahrtsektor zu erhöhen, ist eines seiner wichtigsten Ziele.
Während seiner Amtszeit wird die ISRO mehrere hochkarätige Missionen durchführen, darunter den unbemannten Testflug Gaganyaan-1, das Weltraum-Andockexperiment SpaDeX und die Vorarbeiten für Indiens erste Raumstation. Seine Führung wird auch bei der bevorstehenden Venus Orbiter Mission und Mangalyaan-2 von entscheidender Bedeutung sein.
„Wir stehen am Beginn einer neuen Ära der Weltraumforschung. Es ist Zeit für Indien, die Führung zu übernehmen“, erklärte Narayanan.
Narayanans Rolle beim Erfolg von Chandrayaan-3
Eine von Narayanans bedeutendsten Leistungen war seine Rolle bei der Mission Chandrayaan-3, die mit ihrer erfolgreichen Landung am Südpol des Mondes Geschichte schrieb. Nach dem teilweisen Scheitern von Chandrayaan-2 waren Narayanans Liebe zum Detail und seine Führungsqualitäten ausschlaggebend für die Korrektur der Fehler und den Erfolg von Chandrayaan-3.
„Wir haben die Fehler in Chandrayaan-2 identifiziert und dafür gesorgt, dass sie nicht wiederholt werden. Erfolg kommt durch Lernen und Verbesserung“, sagte er.
Der Erfolg von Chandrayaan-3 hat Indiens Selbstvertrauen und seinen weltweiten Ruf in der Weltraumforschung gestärkt. Narayanans Team baute die leistungsstarken Triebwerke, die der Landesonde dabei halfen, sicher auf der Mondoberfläche zu landen – eine Leistung, die nur eine Handvoll Länder erreicht haben.
Jetzt, da Chandrayaan-4 in Sicht ist, konzentriert sich Narayanan darauf, Indiens Mondforschung noch weiter voranzutreiben. Die nächste Mission zielt darauf ab, detailliertere Studien der Mondoberfläche durchzuführen und den Weg für zukünftige bemannte Missionen zu ebnen.

V. Narayanan tritt die Nachfolge von S. Somanath als neuer ISRO-Chef an
Ein bescheidener Anfang in Tamil Nadu
Narayanan wurde am 14. Mai 1964 in Melakattuvilai, einem kleinen Dorf im Bezirk Kanyakumari in Tamil Nadu, geboren. Er war das älteste von sechs Geschwistern einer Bauernfamilie. Sein Vater war Kokosnusshändler und seine Mutter führte den Haushalt. Narayanan half oft im Kokosnussladen seines Vaters auf dem geschäftigen Vadasery-Markt in Nagercoil aus.
Narayanans Schulbildung begann an der staatlichen Grundschule in Keezha Kattuvilai. Anschließend besuchte er die LMS Higher Secondary School in Zionpuram und schloss seine Schulausbildung 1979 ab. Bemerkenswerterweise hatte sein Haus bis zur 9. Klasse keinen Strom. Trotz dieser Herausforderungen war er ein hervorragender Schüler und schloss 1982 sein Diplom in Maschinenbau (DME) am Government Polytechnic College in Nagercoil mit Auszeichnung ab.
Nach ihrem Abschluss erhielten sowohl Narayanan als auch sein Bruder die Zulassung zu einem Bachelor of Engineering-Studiengang. Aus finanziellen Gründen konnte sich seine Familie jedoch nur die Ausbildung eines Bruders leisten. Narayanan entschied sich selbstlos, seinen Traum, die Anna University zu besuchen, nicht zu verfolgen und unterstützte stattdessen seine Familie, indem er anderthalb Jahre lang bei Unternehmen wie TI Cycles, Bharat Heavy Electricals Limited (BHEL) und MRF arbeitete.

V. Narayanan
Angetrieben von Wissensdurst absolvierte Narayanan später den AMIE-Kurs in Maschinenbau. 1989 schloss er am renommierten Indian Institute of Technology (IIT) Kharagpur mit Auszeichnung seinen MTech-Abschluss in Kryotechnik ab. Um seine akademischen Träume zu verwirklichen, setzte er sein Studium am IIT Kharagpur fort und erhielt 2001 einen Ph.D. in Luft- und Raumfahrttechnik.
„Härten formen Widerstandskraft“, sagte Narayanan einmal, als er über seinen Werdegang nachdachte. Der ehemalige ISRO-Chef K. Sivan lobte den neuen ISRO-Chef mit den Worten: „Er ist wie ich, er hat es aus der Armut nach oben geschafft.“
Die Anfänge der ISRO: Der Bau der Raketenfundamente Indiens
Narayanan begann seine Karriere bei ISRO 1984 am Vikram Sarabhai Space Centre (VSSC) in Thiruvananthapuram. Zunächst arbeitete er an der Entwicklung von Feststoffantriebssystemen, die das Rückgrat von Raketen bilden, die Satelliten ins All befördern. Seine Forschungen zu kryogenen Antriebssystemen legten den Grundstein für Indiens fortschrittliche Raketentechnologien.
Seine Arbeit trug zu mehreren Schlüsselprojekten bei, darunter den Rohini Sounding Rockets und dem Polar Satellite Launch Vehicle (PSLV).
Feststoffantrieb bezeichnet die Verwendung von Festbrennstoff zum Antrieb von Raketen. Es handelt sich um eine zuverlässige und kostengünstige Methode, um kleine bis mittelgroße Nutzlasten in den Weltraum zu befördern. Narayanans Arbeit auf diesem Gebiet legte den Grundstein für Indiens frühe Erfolge im Weltraum.

V Narayanan während einer der Veranstaltungen bei ISRO
Die Beherrschung kryogener Antriebe: Ein Wendepunkt für Indien
1989 verlagerte Narayanan seinen Schwerpunkt auf kryogene Antriebe am Liquid Propulsion Systems Centre (LPSC) in Thiruvananthapuram. Kryogene Motoren verwenden extrem kalte Flüssiggase als Treibstoff, was sie hocheffizient macht und in der Lage ist, schwerere Nutzlasten in höhere Umlaufbahnen zu befördern. Damals war die Beherrschung dieser Technologie eine große Herausforderung für Indien.
Narayanan war Teil eines Teams, das nach Russland geschickt wurde, um sich über kryogene Technologie zu informieren. Dieser Wissenstransfer war für Indien von entscheidender Bedeutung, um seine eigenen kryogenen Triebwerke zu entwickeln, eine entscheidende Komponente für den Start schwerer Satelliten und Weltraummissionen. Seine Arbeit führte zur erfolgreichen Entwicklung eines eigenen kryogenen Triebwerks in Indien, wodurch Indien zu einem der wenigen Länder mit dieser Fähigkeit wurde.
Laut Vasudevan Gnana Gandhi, einem ehemaligen Direktor des LPSC, war Narayanans Fähigkeit, komplexe Systeme zu erfassen und Theorien in praktische Lösungen umzusetzen, unübertroffen.
Festlegung eines langfristigen Fahrplans
Im Januar 2018 übernahm Narayanan die Leitung des Liquid Propulsion Systems Centre. Unter seiner Leitung entwickelte das LPSC eine Reihe fortschrittlicher Antriebssysteme für Raketen und Satelliten. Sein Team lieferte 183 Antriebssysteme für 41 Trägerraketen und 31 Weltraummissionen.
Zu seinen wichtigsten Initiativen gehört die Festlegung eines langfristigen Fahrplans für Antriebstechnologien von 2017 bis 2037. Dazu gehört die Entwicklung wiederverwendbarer Trägerraketen und elektrischer Antriebssysteme, die für künftige Weltraummissionen von entscheidender Bedeutung sind.
Indiens Weltraumträume vorantreiben
Narayanan spielte auch eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der GSLV Mk-III, Indiens leistungsstärkster Rakete. Diese Trägerrakete kann schwere Nutzlasten in den Weltraum befördern, darunter auch Komponenten für die bevorstehende Gaganyaan-Mission, deren Ziel es ist, indische Astronauten in den Weltraum zu schicken.
Die GSLV Mk-III nutzt eine Kombination aus Feststoff-, Flüssigkeits- und Kryotriebwerken, um ihre beeindruckende Hubkraft zu erreichen. Narayanan war federführend bei der Entwicklung der Kryostufe C25 dieser Rakete, die den nötigen Schub liefert, um schwerere Satelliten und Raumfahrzeuge in höhere Umlaufbahnen zu bringen.

V Narayanan
Indien in ein neues Weltraumzeitalter führen
Unter der Führung des Luft- und Raumfahrtingenieurs und Raketentechnikers ist die ISRO bereit, neue Meilensteine zu erreichen. Narayanan sieht eine Zukunft vor sich, in der Indien nicht nur Satelliten für den Eigenbedarf startet, sondern auch zu einem führenden Anbieter von Weltraumdienstleistungen für die Welt wird. Sein Schwerpunkt auf einheimischer Technologieentwicklung und internationaler Zusammenarbeit spiegelt seinen zukunftsorientierten Ansatz wider.
Narayanans Amtszeit als Vorsitzender der ISRO markiert den Beginn eines spannenden Kapitels in Indiens Weltraumreise. Seine Führung, geprägt von jahrelanger Erfahrung und einem tiefen Verständnis der Weltraumtechnologie, wird Indien zweifellos zu neuen Höhen in der globalen Weltraumarena führen.
Von den Kokosnussläden von Nagercoil bis zu den Korridoren von ISROSeine Reise ist eine Inspiration für alle, die es wagen zu träumen.
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